Krebs und Ernährung

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Superfood - Super gut

 

Ich stelle mir oft die Frage, ob es wirklich immer nur „Trend-Super-Food“ wie zum Beispiel Chiasamen, Goji Beeren, Quinoa, Spirulina-Algen, Curcuma, Avocados etc. sein müssen, welche unserem Körper die besondere Stärkung des Immunsystems verleihen. Müssen es tatsächlich immer exotische, nicht in unserer Region wachsende Lebensmittel sein oder gibt es in und nahe unserer Region ebenfalls sog. „Superfood“, das vielleicht nicht so hip in der Aussprache klingt aber dennoch oder sogar noch deutlich mehr gesundheitsfördernde Wirkung mit sich bringt?

Als erstes stellt sich die Frage:
Was ist eigentlich Superfood und warum wird so ein Wirbel darum gemacht?

Kurze Definition:
Angeblich kann Superfood deutlich mehr als ein „normales“ Lebensmittel. Es ist ein natürlich belassenes Lebensmittel, mit deutlich mehr Nähr- und Vitalstoffen (d. h. Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine). Es kommt somit im natürlichen Verbund vor und es werden ihm heilende und gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Superfood wirkt u. a. antioxidativ, entzündungshemmend, es fördert den Entschlackungsprozess unserer Entgiftungsorgane auf Grund der basischen Wirkung und noch vieles mehr......

Auf der Suche nach regionalem Superfood, wurde ich positiv überrascht, da wir davon umgeben sind. Und das ohne exotische Lebensmittel aus fernen Ländern einführen zu müssen.

Ich stelle euch hier in der nächsten Zeit eine Reihe davon vor.

Los geht`s mit dem 1. Superfood:
LEINSAMEN (wirkender Inhaltsstoff sind die Omega-3-Fettsäuren)

Nur so am Rande: Ich weiß, Chiasamen klingen einfach viel stylischer und sie sind momentan voll im Trend...
Dabei sind es gerade die Leinsamen, die einen deutlich höheren Anteil an den mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) enthalten. Diese kann der Körper nicht selber herstellen und müssen somit über die Nahrung zugeführt werden. Das größte Nahrungsdefizit der westlichen Länder, ist die Unterversorgung mit Omega-3-Fettsäuren, da wir nicht am Meer leben und deshalb kaum fetter Fisch auf unsere Teller gelangt.
Die Omega-3-Fettsäure wirkt entzündungshemmend und krebshemmend. Vor allem in der Krebsprävention gewinnt sie immer mehr an Bedeutung, da eine Verringerung des Erkrankungsrisikos für Brust-, Prostata- und Darmkrebs beobachtet wird. Bei regelmäßiger Zufuhr hat sie einen positiven Einfluss auf Herz- und Gefäßerkrankungen. Die Häufigkeit dieser Krankheiten wird reduziert, da das Risiko von Herzrhytmusstörungen verringert wird. Zusätzlich senken Omega-3-Fettsäuren den Blutfettspiegel.

Hier die wichtigsten Lieferanten der Omega-3-Fettsäuren:
Pflanzliche Quellen: Leinsamen, frische Walnüsse, Walnussöl
Tierische Quellen: Sardinen, Hering, Makrele, Lachs aus dem Atlantik, Regenbogenforelle

Beim Verzehr von ungeschroteten Leinsamen (z. B. 1 Teelöffel morgens im Müsli) muss immer darauf geachtet werden, dass dazu den ganzen Tag genügend getrunken wird (z. B. stilles Wasser oder Kräutertee`s), da sie eine rein quellende Wirkung haben und somit bei Verdauungsproblemen helfen. Erst der Verzehr von geschroteten Leinsamen liefert uns die gewünschten Omega-3-Fettsäuren. Auch hierbei muss auf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Superfood Nr. 2:
BOHNEN (hoher Proteingehalt)

Sooooo langweilig werdet ihr jetzt denken..... Ich weiß!

Und außerdem: „Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“ Dieses Zitat hat durchaus seine Berechtigung verdient. Hier ein kleiner Tipp, wie man dieses Problem umgehen kann: Trockenbohnen über Nacht einweichen und die Einweichflüssigkeit vor dem Kochen durch frisches Wasser ersetzen. Falls die Bohnen doch noch blähen sollten: Jesuitentee, oder zum Bohnengericht Ingwer und/oder Bohnenkraut servieren. Am besten alles gleichzeitig verwenden, dann sollte nix mehr schief gehen.

Aber Böhnchen geben nicht nur Tönchen!

Sie bieten eine einzigartige Mischung aus gesunden Nährstoffen und sind sehr leicht verfügbar.

Bohnen sind fettarm, reich an essentiellen Fettsäuren, Vitamin K und C, Mineralstoffen (Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Eisen) und sehr eiweißreich. Somit ist die Bohne gleichzeitig eine super Alternative zu tierischen Eiweißquellen wie dem roten Fleisch (dies nur mal so am Rande für alle veganen Sportfreaks).

Sie sind behilflich, um Cholesterin über den Darm hinaus zu transportieren (was wiederum gut für unser Herz ist) und sie verfügen außerdem über einen hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen.

Was wenige von uns wissen ist, dass sie ebenfalls über einen hohen Anteil an Isoflavonen verfügen. Für alle, die nicht wissen was Isoflavone (sekundärer Pflanzenstoff) sind:

Das sind hormonaktive Stoffe, die in Pflanzen (z. B. Soja oder Rotklee) vorkommen. Sie ähneln in ihrer Struktur und Wirkung dem körpereigenen Östrogen, weshalb sie gerne bei Symptomen von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden, mit dem Ziel diese Beschwerden zu lindern. In der Krebsprävention (vor allem bei Brust- und Prostatakrebs) spielen Insoflavone eine bedeutende Rolle, da sie eine krebshemmende Wirkung haben. Sie wirken u. a. stärkend auf Prostata und Knochen und verringern das Risiko einer Herzerkrankung.

Welche Bohnen sind nun besser, Trockenbohnen oder Dosenbohnen?
Getrocknete Bohnen haben einen etwas höheren Nährstoffgehalt als Dosenbohnen. Was aber nicht heißt, dass Dosenbohnen deshalb gar keine Nährstoffe enthalten. Der einzige Nachteil bei Dosenbohnen ist der hohe Anteil an Natrium. Darum die Flüssigkeit vor dem Verzehr abtropfen lassen und die Bohnen mit Wasser abspülen.

Bohnen lassen sich wirklich in jede Mahlzeit einbauen. Ob in der Suppe oder zu Salaten. Als Hummus oder zu mexikanischen Gerichten... Alles ist möglich und es schmeckt einfach lecker.

Hier die wichtigsten Isoflavon-Lieferanten in absteigender Reihe:
Sojamehl, Geröstete Bohnen, Gekochte grüne Bohnen (Edamame), Miso, Tofu, Sojamilch, Sojasauce, Kichererbsen

Superfood Nr. 3:
Zwiebeln und Knoblauch

Gibt es eigentlich ein vergleichbares oder ähnliches Lebensmittel bei dem man nach dem Verzehr sogar noch am nächsten Tag, nicht nur aus dem Mund, sondern aus sämtlichen Poren stinkt? Mir fällt spontan keines ein. Keine Frage, Knoblauch und Zwiebeln sind mit Sicherheit die am weitesten verbreiteten Würzmittel der Welt. Unsere Gerichte würden nur halb so gut ohne sie schmecken. Aber leider zählen die Ausdünstungen, die nach dem Essen auftreten nicht gerade zu den angenehmsten Gerüchen. Um es auf den Punkt zu bringen: es stinkt!!!

Wie kann ein eigentlich fast geruchloses Lebensmittel ein so starkes Aroma entfalten?

Gerade dieser charakteristische Geruch ist es, der eine so bedeutende Rolle im Hinblick auf unsere Gesundheit spielt.

Knoblauch und Zwiebeln haben einen sehr hohen Gehalt an Schwefelverbindungen (dies sind Moleküle, die ein Schwefelatom enthalten).

Ob Knoblauch, Zwiebeln, Lauch oder Bärlauch, in all diesen Pflanzen sind sog. Schwefelverbindungen namens Alliin enthalten. Durch Zerdrücken, zerkleinern, zerschneiden oder zerkauen wird ein Enzym namens Alliinase freigesetzt. Dieses Enzym reagiert mit dem Alliin und wandelt es in Allicin um. Dieses Allicin ist der Grund für den schon fast penetranten Geruch wenn wir Knoblauch und Zwiebeln essen.

Das bedeutet: „Je mehr wir Zwiebeln & Knoblauch Zerdrücken, Schneiden oder Kauen, desto mehr Allicin wird gebildet und desto mehr stinkt`s“ und „Je größer der Gestank, umso gesünder für uns“.

Warum sollen diese übel stinkenden Schwefelverbindungen gut für meine Gesundheit sein, werden sich jetzt bestimmt viele Fragen?

Hier ein paar Beispiele:

Die Schwefelverbindungen im Knoblauch hemmen die Blutgerinnung und sorgen für einen gleichmäßigen Blutfluss. Was wiederum unserem Herzen zu Gute kommt.

Knoblauch enthält viele abwehrsteigernde Verbindungen, die bei einer Erkältung heilend wirken. Den Verbindungen in Zwiebeln und Knoblauch werden krebshemmende Eigenschaften nachgesagt. Sie wirken auf Zellveränderungen im Körper und besitzen die Fähigkeit, Krebszellen am Wachstum zu hindern. Gerade bei der Vorbeugung von Speiseröhren-, Magen- und Dickdarmkrebs zeigen Laboruntersuchungen sehr gute Ergebnisse.

Zwiebeln enthalten des Weiteren ein Molekül namens Quercetin, welches das Verklumpen unserer Thrombozyten (Blutplättchen) verhindert.

Vorteil von Zwiebeln und Knoblauch:

  • lassen sich sehr leicht in den Speiseplan einbauen (Suppen, Eintöpfe, Salate, Dressings....)

Nachteile:

  • Gestank (aber: „je größer der Gestank, desto größer die Wirkung“)
  • es gibt kein Mittel gegen den Gestank: ob Petersilie & Zitrone, Koriander, Grüner Tee... Ich habe alles ausprobiert, es hat wirklich keines davon geholfen
  • Verzehr nur in der Gruppe möglich, dann stinken zumindest alle gleich oder Verzehr nur möglich wenn keine gesellschaftlichen Verpflichtungen mehr anstehen 

    In diesem Sinne: Auf den Gestank und lasst`s euch schmecken ;-)

Superfood Nr. 4:
Familie Kohl, auch bekannt als Kreuzblütler

Gibt es eigentlich ein unangenehmeres Gemüse, das bei vielen Menschen blähend wirkt, wenn sie den Verzehr nicht gewohnt sind? Ich denke nicht.....

Darum rate ich jedem, der sich jetzt angesprochen fühlt, mit kleinen Mengen zu beginnen, um seinen Darm zu schonen und ihn langsam daran zu gewöhnen.

Welche Sorten gehören denn alle zur Familie Kohl? Gemeint sind: Brokkoli, Grün- Weiß- und Rotkohl, Blumenkohl, Blattkohl, Rosenkohl.

Vor allem der Brokkoli ist wohl der Star in seiner Familie. Er wird auch als „Darmputzer“ bezeichnet und er hat (wie alle anderen Familienmitglieder auch) krebshemmende Eigenschaften. Die Familie Kohl steht sogar an vorderster Front für ihre krebshemmende Wirkung aller anderen Obst- und Gemüsesorten. Sehr gute Ergebnisse konnte man bei Blasen-, Brust- Prostata- und Lungenkrebs, sowie Krebsarten, die den Magen-Darm-Trakt betreffen beobachten. Verzehrt wurden fünf oder mehr Portionen pro Woche.

Welche Inhaltsstoffe sind es denn nun, die angeblich so gesundheitsfördernd auf unseren Körper wirken? Es sind mal wieder die sekundären Pflanzenstoffe (z. B. Polyphenole und Glucosinolate)

Der Fokus liegt dabei auf den Molekülen der Glucosinolaten, die indirekt eine wichtige krebshemmende Eigenschaft besitzen. Diese Moleküle setzen zwei Sorten von Wirkstoffen frei, die wiederum eine sehr hohe antikanzerogene Wirkung haben.

Sie heißen: Isothiocyanate und Indole

Hier eine kurze Erklärung des Wirkmechanismus: Beim Zerkauen von Brokkoli werden die Glucosinolate freigesetzt und werden durch das Enzym Myrosinase (ebenfalls im Brokkoli enthalten) gespalten. Es bildet sich ein neues Molekül namens Sulforaphan, das ein sog. „hochwirksames Anti-Krebs-Molekül“ ist und in unseren Blutkreislauf gelangt, um dort krebsauslösende Substanzen daran zu hindern unsere Zellen zu schädigen.

Schlussfolgerung: Erst beim Zerkauen werden die sekundären Pflanzenstoffe aktiv und gelangen in unsere Blutbahn.

WICHTIG ZU WISSEN: Glucosinolate sind sehr wasserlöslich.

Das bedeutet:
Ein zehn Minuten Kochvorgang in reichlich Wasser verringert den Anteil der Wirkstoffe bereits um die Hälfte. Hinzu kommt noch, dass das Enzym Myrosinase hitzeempfindlich ist. Beim Kochen wird dieses Enzym also zerstört.

Empfehlung:
Die Familie Kohl in so wenig Wasser wie möglich und so kurz wie möglich kochen. Beim Dämpfen und kurzen Braten im Wok ist die Ausbeute deutlich höher und der Geschmack bleibt erhalten.

In diesem Sinne.... Auf das bewusste Zerkauen und schonende Kochen ;-)